Mittwoch, 26. Februar 2014

Venezia!

Ich bin immer noch total müde, aber ich will den Post hier schreiben, ehe die ganzen Eindrücke wieder weg sind. Er wird wahrscheinlich etwas länger, aber ich will von den schönen Tagen nur ungern etwas weglassen.
Sonntag hieß es früh aufstehen, um den Zug zu kriegen - die fast 5 Stunden Fahrt sind schneller vergangen als erwartet, weil wir uns in den Gruppen von AFS immer super verstehen.


Alle zusammen waren wir etwa 29, einige Gastfamilien-Mitglieder waren auch dabei. Schon der Weg vom Festland zur eigentlichen Stadt fühlt sich ein wenig unwirklich an - ein unglaublich langer Steg, über den der Zug fährt. Schon im Bahnhof wurde ich dann von den vielen neuen Eindrücken geradezu erdrückt: unzählige schöne Masken überall und auch schon die ersten, kompletten Kostüme waren zu sehen.


Das wurde nur noch mehr, als wir schließlich draußen waren, und ich den ersten der venezianischen Kanal gesehen habe. Es war unglaublich voll - natürlich, an Karneval - und der Weg zum Hotel war demnach recht stressig, da die Straßen alle nur schmal sind. Unterwegs habe ich sogar kurz wider aller Wahrscheinlichkeit mit anderen Deutschen von AFS gesprochen. Gewohnt haben wir die Tage über in der "Foresteria Valdese", die ich für Gruppen nur weiterempfehlen kann. Sie ist nicht teuer, recht nahe am Zentrum und die Zimmer wirklich schön.


                              



An dem Tag haben wir erstmal die nähere Umgebung besucht, also hauptsächlich den großen Platz bei der Basilica di San Marco. Das war dann auch so ziemlich mein liebster Ort - die große Kirche im Hintergrund, den Glockenturm dazu, und überall ist was los. Viele Leute reisen offenbar auch aus anderen Ländern nur an, um in pompösen Kleidern die ein bisschen nach 18. Jahrhundert aussehen und natürlich den typischen Masken am Karneval teilzunehmen. Von denen habe ich übrigens ein wenig zu viele gekauft: 7 normale und eine größere aus Keramik, die bei mir im Zimmer an die Wand kommt, wenn ich wieder zurück bin. Am Abend durften wir dann machen, was wir wollten - viel los ist dann übrigens nicht mehr.
Der nächste Tag war beinahe komplett für die beiden wichtigsten Insel: Murano und Burano. Auf Murano wird das berühmte Glas hergestellt und geblasen - und die Figuren, die sich damit formen lassen, sind wirklich unglaublich. (Unglaublich teuer sind sie auch, deswegen habe ich dort nichts gekauft.) Burano hat mir persönlich besser gefallen, denn die Attraktion dort ist vielmehr die Stadt selbst. Jedes einzelne Haus hat eine andere, leuchtende Farbe und lässt so wirklich alles strahlen, und durch das ganze führt dann natürlich wieder ein Kanal. 



Die Tradition, alles so anzustreichen, rührt laut einer Italienerin dort daher, dass die Fischer früher im Nebel von der Arbeit heimkehrten und an der Farbe ihr eigenes Haus wiedererkennen konnten. Abends haben wir dann mit einem kleinen Schiff Venedig vom Wasser aus betrachtet, und es ist mit den ganzen Lichtern mindestens genauso schön wie tagsüber.
Der dritte Tag war dann auch leider schon der Tag der Abreise - aber erst nachmittags. Den Tag über haben wir also noch einige Kirchen besichtigt, sind unglaublich viel gelaufen, und, das Wichtigste: haben eine Gondelfahrt gemacht. Leider hat unser Gondoliere sich geweigert, O Sole Mio zu singen, aber wert war es das allemal, denn während der Fahrt wird einem noch viel über die Stadt und berühmte ehemalige Bewohner erzählt.

                           




Wie in quasi überall in Italien ist es in Venedig überall wunderschön. Selbst die älteren Häuser, die schon ein wenig bröckeln und objektiv betrachtet vielleicht eher hässlich wären, fügen sich perfekt in das Gesamtbild ein, und man kann sich an allem gar nicht sattsehen. Wir hatten auch wirklich Glück mit dem Wetter - es hat sich wie Frühling, fast Sommer angefühlt, mit dem ganzen Sonnenschein, und heute regnet es schon wieder. Wie Venedig im Sommer riecht, will ich allerdings nicht unbedingt wissen: dadurch, dass das Wasser in den Kanälen fast stillsteht, stinkt es an manchen Stellen ganz schön.
Zurück würde ich trotzdem gerne wieder - wenn sich das irgendwie machen lässt, werde ich das ganz sicher auch tun.
Ich hoffe, ich habe euch hiermit, falls ihr nicht mit dabei wart, ein wenig neidisch gemacht - damit bis zum nächsten Post!


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So this is pretty much the first time I'm writing a post like this in English. I just hope there's some of you reading this so it won't be useless. I'm still terribly tired because I didn't get that much sleep - my Sunday started with getting up at 4:30 to catch the train. The 4 hours on it didn't even feel that long, and I got more and more excited the closer we got to Venice. Then, finally - the really long bridge leading from the mainland to the city. I fell in love with Venice probably already at the train station: masks everywhere, and when we stepped outside, there was the first Piazza with the channel at its side. Since it's carnival, it was really full - the way to our hotel "Foresteria Valdese" (which is very recommendable) was horrible. People pushing around everywhere. Normally that's not really a problem in big cities, but the streets in Venice are incredibly small and narrow, so we even spent some time just standing around waiting the crowd to move on. The whole atmosphere is still awesome though, everything just fits and is plain beautiful. Even some older, slightly damaged houses just match the impression so well that they look pretty. There's bright colours everywhere, and the blue of the water and the clear sky fit perfectly.
We spent the first day in the center of the city, entering the Basilica di San Marco and the clock tower. The church is the most beautiful of the (lots and lots) I've already visited in Italy. The entrance is covered in golden mosaics and the architecture is stunning. The Piazza outside was my favourite place to be there. Filled up with people, noises and life - that's how I like it.
The next day we went to the most important islands, Murano and Burano. Murano is famous for its glass making - we watched someone blow glass and then entered some of the shops. I still can't wrap my mind around how they can form so many pretty things, and I'd loved to buy some of them, but sadly most of it is very expensive (just like Venice in general. If you ever go there - bring money, lots of money). I personally liked the second island better - Burano, famous for its houses. That might sound a little boring at first, but it's not, because it's even more beautiful than the center of Venice: every single house is painted a different, incredibly vivid colour which makes the whole city seem happy and inviting. Combined with the few Gondolas in the channel it made a view I didn't want to leave. In the evening we took a small boat and went along the 'coastline' of Venice - and it's as beautiful at night too; everything is illuminated. The next day was (sadly) the day for us to leave again, but there was still time left. We visited another church and, just to complete the chliche, took a Gondola. The Gondoliere refused to sing O Sole Mio tho.
(I don't know yet if there's other posts coming in English after this one, god I'm too lazy.)

Mittwoch, 19. Februar 2014

Geburtstage & Nachzuholendes

Wie lange ist es jetzt her, dass ich mich hier zum letzten Mal gemeldet habe? Ich weiß es selbst gar nicht mehr, und nachschauen will ich nicht wirklich. Viel zu lange, so viel steht fest. und als verspäteter Vorsatz für 2014 - ich werde das ändern, versprochen.
Für die, die es nicht wissen - seit gestern bin ich 16. Und eigentlich fühle ich mich kein Stück älter, aber das ist ja immer so. Die 24 Stunden, die einen offiziellen Unterschied ausmachen, sind mir persönlich ziemlich egal. Viel wichtiger ist, was in den letzten 5 Monaten passiert ist. Ich kann kaum glauben, dass schon die Hälfte vorbei ist, und ich glaube, das können viele Austauschschüler nachvollziehen. Ein bisschen fühle ich mich, als hätte ich wenig gemacht und gelernt, obwohl es unglaublich viel ist, wenn man mein Ich bei der Ankunft mit meinem jetzigen Ich vergleicht. Ich könnte hier jetzt noch unendlich viel darüber schreiben, wie es mir momentan geht und wie ich mich entwickelt habe, aber so öffentlich will ich das dann eigentlich doch nicht haben. Auch will ich mich hier nicht zu lang fassen.
Es kommt mir vor, als würde in den nächsten Tagen viel mehr passieren als sonst - dieses Wochenende geht es nach Venedig, das Wochenende danach feiere ich meinen Geburtstag nachträglich in Turin, kurz darauf geht es zum Karneval nach Ivrea (der jetzt schon ziemlich interessant klingt - man bewirft sich traditionellerweise mit Orangen), danach werde ich für die Settimana di Scambio eine Woche in Sizilien verbringen (darauf freue ich mich vielleicht am meisten, denn dort sind jetzt schon über 20 Grad) und im März geht's für einige Tage mit meiner Gastfamilie nach Rom.
Und über die ganzen Reisen wird es auf jeden Fall Posts geben.
Mehr zum Schreiben fällt mir gerade gar nicht ein, deshalb werde ich mich hier an Bukowski halten: "If you have to push yourself to do it, don't do it." 
Sobald wieder etwas passiert, kommt hier auch wieder ein neuer Post; wahrscheinlich auch mit mehr Fotos. Hoffen wir alle mal, dass ich mich daran auch halten kann.

Mittwoch, 27. November 2013

"Scusa, non parlo italiano!"

Das ist der Satz, den ich bisher wohl unzählige Male gesagt habe, zusammen mit „Non ho capito“. Ich spreche kein Italienisch, ich habe nicht verstanden. Sätze, die sich wirklich als sehr nützlich herausstellen, wenn man sich mit quasi keinen Vorkenntnissen auf den Weg macht.

Hiermit möchte ich einen Post einer meiner größten Herausforderungen in Italien widmen: Italienisch.
Erstmal etwas zu meinem jetzigen Level. Ich verstehe mittlerweile beinahe alles in Gesprächen, auch, wenn man nicht direkt mit mir spricht und ich nur zuhöre. Auch in der Schule verstehe ich mittlerweile zumindest die wichtigsten Sachen und kann dem Unterricht so mehr oder weniger folgen. Aber was mich am meisten freut: ich kann endlich antworten.
Jeder, der zumindest eine Fremdsprache lernt, kann mich da wohl nachvollziehen. Verstehen ist um einiges leichter als selbst sprechen. Von meinem Französischunterricht ist doch einiges hängen geblieben, und die beiden Sprachen sind sich sehr ähnlich, also hilft mir das wirklich weiter. Und offenbar scheinen einige englische und deutsche Wörter ihren Ursprung auch im lateinischen zu haben, denn da habe ich auch schon Ähnlichkeiten entdeckt.
Aber bis man von Deutsch nach Italienisch kommt, dauernd es eben ein bisschen. Aber das schaffe ich jetzt endlich.
So halbwegs.
Mein Vokabular wächst täglich, aber Grammatik muss ich eben auch hier lernen, und das nervt. Hier zeigt sich wieder die Ähnlichkeit zu Französisch: unendlich viele Regeln, unendliche viele Ausnahmen von der Regel, und es macht mich fertig. Zumindest habe ich aber laut meinem Gastvater keinen Akzent (laut eines Klassenkameraden aber einen arabischen).
Auch sind einige Sachen wirklich verwirrend.
Was manche Dinge angeht, wurde hier sehr gespart. 
„Hey, nehmen wir doch einfach für ‚Hallo‘ und ‚Tschüss‘ dasselbe Wort. Und für ‚Finger‘ und ‚Zehen‘ auch. Und für ‚weil‘ und ‚warum‘.“
Viele Worte sehen auch schlichtweg falsch aus. Vor allem die Kombination von s und einem anderen Konsonanten verwirrt mich. Sbaglia, sfiggi - bittewas.
Die formelle und informelle Anrede mit Du und Sie gibt es hier auch, nur ist das Sie hier nicht dritte Person Plural, sondern Singular. Und jedes Mal, wenn ich damit einen Satz bilden will, hört es sich in meinem Kopf absolut falsch an.
Aber es wird. Und das schöne daran, dass man eine Sprache auf diese einzigartige Weise lernt ist, dass man sich selbst bei seinen Fortschritten quasi zuschauen kann. 
Heute wieder neue Worte gelernt, morgen werden wieder Gespräche gefühlt, endlich kann man Scrubs auch auf Italienisch verstehen.
Gleichzeitig ist es ein bisschen gruselig, dass ich Englisch und Deutsch verlerne. Mir fallen Worte nicht mehr ein, oder ich fange an, spontan auf Italienisch statt auf Deutsch zu schreiben. Von meinem Französisch wollen wir gar nicht erst anfangen - das bisschen, was ich mal wusste, ist mittlerweile völlig verschwunden.

So, das war dann mein obligatorisches Lebenszeichen. Momentan ist alles sehr ruhig, dieses kleine Tief, was sich nach den ersten 3 Monaten einstellt, aber von AFS wurden wir darauf auch genug vorbereitet. Also wird es wohl in nächster Zeit auch hier auf dem Blog eher still sein - vielleicht melde ich mich das nächste Mal sogar erst wieder um Weihnachten herum. (Überall hängt dafür schon Deko herum und die Aussicht, dieses Fest zum ersten mal nicht in Deutschland mit meiner Familie zu verbringen, ist schon ein wenig komisch.)

Damit - machts gut und bis bald. <3

Mittwoch, 30. Oktober 2013

Ein bisschen wie Schlafwandeln.

So ist es, wie sich alles gerade für mich anfühlt.
In letzter Zeit ist nichts wirklich relevantes passiert, außer, dass mein Italienisch wirklich jeden Tag besser wird und ich mich schon - zwar mit unglaublich vielen Fehlern - mit Anderen unterhalten kann, ohne dauernd auf Englisch ausweichen zu müssen. Aber ich wollte mich trotzdem nochmal melden und ein bisschen erzählen, wie sich alles emotional so auf mich ausgewirkt hat.

Irgendwie habe ich es immer noch nicht realisiert. Das scheint eine Angewohnheit zu sein und es ist genau dasselbe mit Weihnachten oder meinem Geburtstag: ich denke nicht wirklich daran, bis es dann da ist. Aber jetzt bin ich hier schon seit fast zwei Monaten, und immer noch nehme ich alles nur wie durch Watte wahr.
Auch vermisse ich quasi nichts. Ich hatte nie ein Problem mit Heimweh, aber ich hätte schon gedacht, dass ich Momente haben würde, in denen ich wirklich gerne wieder in meinem deutschen Zuhause wäre. Meine deutsche Schule wieder besuchen möchte. Einfach so leben wie noch vor nicht allzu vielen Wochen. Aber, wieso auch immer, ist mir das ziemlich gleichgültig. (An dieser Stelle Entschuldigung an alle, die sich jetzt irgendwie verletzt fühlen. So ist das absolut nicht gemeint.)
Vielleicht liegt es daran, dass ich hier auch noch nicht wirklich angekommen bin. Wie euch der Titel schon verrät: es ist wie Schlafwandeln. Ich stehe zwischen 3 Sprachen, zwischen 2 Ländern, und das überfordert mich noch ein bisschen. Ob das „normal“ ist, weiß ich nicht, will es auch gar nicht wissen. Aber ich hoffe, das ändert sich bald.
Auch strengt mich so vieles noch zehnmal so viel an wie in Deutschland. Am besten lernt man eine Sprache durch Zuhören, und das mache ich hier ja viele Stunden am Tag. Aber das ist nicht wie Musik hören - hier muss man wirklich aufpassen und aktiv versuchen, alles zu verstehen. Besonders schwer fällt mir das in der Schule. Frontalunterricht wird in Italien eben groß geschrieben, und wenn man 120 Minuten vom Lehrer nur aus einem jahrhundertealten Roman vorgelesen bekommt, dessen Wortwahl dementsprechend antik ist, ist man versucht, sich irgendetwas anderem zuzuwenden, und wenn es nur die eigenen Gedanken sind. Aber das geht nicht.
Bisher bin ich mit meinen Italienischkenntnissen zwar relativ weit vorn dabei, wenn man das mit denen der anderen vergleicht, aber ich will trotzdem momentan nichts mehr, als weiter lernen. Viel lernen. Schließlich ist es auch zum großen Teil die Sprache, über die man wirkliche Freundschaften schließt. Langsam aber sicher vergeht meinen Klassenkameraden die Lust am Übersetzen, und vor allem wenn ich in größeren Gruppen unterwegs bin, bin ich mit Verstehen und Sprechen ganz auf mich alleine gestellt.

Aber das ist alles nichts, was sich nicht in den Griff bekommen ließe. Falls hier andere (ehemalige) Austauschschüler mitlesen, würde ich mich über ein paar Worte zu euren Erfahrungen dazu freuen - ob die ähnlich sind oder vielleicht auch komplett verschieden.

Damit heißt es dann auch schon wieder: bis zum nächsten Post!
Saluti e biaci,

Julie

Sonntag, 20. Oktober 2013

Non sono morta. Oder so.

Hi, na.
Ja, ich lebe noch. 
So eine lange Pause zwischen meinen Posts war zwar eigentlich wirklich nicht geplant, aber jetzt kann ich leider nichts mehr dran ändern, außer euch genau jetzt einen neuen Post zu schreiben.
Ich war mittlerweile schon in Turin, aber wir waren leider ein bisschen in Zeitdruck und wollten eigentlich auch nur shoppen gehen, deshalb kommt darüber irgendwann nochmal ein ausführlicherer Post.
Der Anlass für diesen hier ist mein verlängertes Wochenende - von Donnerstag bis Sonntagnachmittag hat das erste AFS-Camp stattgefunden. Das nächste ist dann erst wieder im Juli.
Alle Austauschschüler aus dem Piemont, insgesamt etwa 50 aus allen möglichen Ländern, haben sich irgendwo in den Bergen eingefunden (an den Namen erinnere ich mich nicht mehr, und in dem kleinen Ort gab es wirklich absolut nichts) und dort 4 Tage quasi alles zerlegt. Diesmal lag der Fokus wirklich weniger auf den Aktivitäten in unseren kleinen Gruppen - wir haben uns über erste Erfahrungen im Land von Pasta und Pizza ausgetauscht und auch über Probleme gesprochen. Ein großes Thema waren wieder Vorurteile, da wir ihnen diesmal ja 6 Wochen live begegnen. Vorurteile von uns gegenüber Italienern, von Italienern gegenüber unseren eigenen Ländern. Deren Meinung nach werden in Island Pinguine gekocht, ich wurde gefragt, ob die Mauer bei uns noch steht und unser Grundnahrungsmittel ist Bier mit Brezeln. Für mich also nicht wirklich überraschende Sachen, aber ich habe durch Reden mit den Anderen viel über andere Länder herausgefunden. Mir wird immer wieder bewusst, wie unglaublich toll und einmalig diese Chance für mich ist. So viele verschiedene Kulturen vereint an einem Ort und man kann aus erster Hand so viel erfahren.









Die besten Betreuer seit immer und ewig.


Das hier sind nicht alle, sondern nur meine kleine Gruppe in der wir die Tage verbracht haben.




Meine neue Lieblingsdänin.


Die meiste Zeit haben wir aber nur irgendwo mit Sitzen und Reden verbracht. Ich habe jede Nacht nur um die 3 Stunden geschlafen und darf morgen früh schon wieder um 6 Uhr raus, obwohl ich am liebsten tagelang einfach im Bett bleiben würde.
Mein Facebook explodiert wieder vor Freundschaftsanfragen und ich habe viel zu viele Fotos und Videos gemacht (von denen ihr hier nur einige seht, weil ich so gut wie immer wie kurz vorm Einschlafen aussehe) - und so viele Freunde von überall her gefunden. Ich habe jetzt schon ein bisschen Angst, wenn wir uns alle das wirklich letzte mal sehen, denn weil man einfach so viel gemeinsam hat, einfach dadurch, dass man diese Erfahrung teilt, wachsen einem alle unglaublich schnell ans Herz. Die Dänen und Belgier zu besuchen ist ja noch machbar, aber eben eine Reise nach Neuseeland oder Lateinamerika zu organisieren und finanzieren gestaltet sich dann doch als etwas schwieriger. Was mir auch immer besser und besser gefällt (falls das überhaupt noch geht) ist AFS an sich. Man fühlt sich als Teil einer riesigen Familie, weil einen alle sofort als Freund behandeln. Der Gesprächsstoff geht hier auch nie aus, wenn so viele Kulturen aufeinandertreffen: unsere Freiwilligen haben alle mindestens einmal Zeit im Ausland verbracht, und wenn jemand ein Jahr in Südafrika und Japan war, kann man da einfach ewig drüber reden. Zu denen dann generell auch noch ein Wort - sie sind super. Man lernt sie eher sofort als Freunde kennen, weil sie auch noch nicht so viel älter sind als wir (Mitte 20) und alle haben sowohl Humor als auch die Fähigkeit bewiesen, einem ernsthaft helfen zu können, wenn einen etwas bedrückt.

Im Piemont sind außer mir noch zwei andere Deutsche - und ich habe mich unglaublich darauf gefreut, mich wieder in meiner Muttersprache zu unterhalten. Als ich das dann endlich konnte, war das Ganze aber wirklich komisch, und nicht nur für mich. Obwohl ich erst vergleichsweise kurz hier bin, fühlen sich deutsche Wörter falsch in meinem Mund an: ich vergesse Worte und antworte automatisch in Englisch oder Italienisch, ohne darüber nachzudenken. 


Aspirin wird wieder zu meinem besten Freund - mein Kopf scheint wirklich nicht darauf ausgelegt zu sein, tagelang immer schnell zwischen 3 Sprachen zu wechseln. Aber mein Italienisch wird merklich immer besser. Ich bin mittlerweile schon in der Lage, zusammenhängende Texte zu schreiben. Das konnte ich in Französisch nicht mal nach 3 Jahren Unterricht. Da ich in der Schule noch nicht wirklich etwas zu tun habe, wurde mein Stundenplan etwas umgestellt - ich mache Englisch nun zusätzlich in einer 5. und 4. Klasse des Liceos, will heißen, in der 12./13. in Deutschland. In meiner 'eigenen' Klasse war es einfach viel zu einfach, und selbst jetzt sind die Italiener ungefähr auf dem Level von dem, was ich auf meinem Gymnasium in der 9. Klasse gelernt habe. In der Hinsicht bleibe ich also etwas unterfordert. Aber auf die Art lerne ich wieder viele neue Leute kennen, die mich alle freundlich aufnehmen. In anderen Fächern, in denen ich dem Unterricht wirklich nicht folgen kann, soll ich jetzt auf Italienisch immer eine Art kleines Tagebuch führen.


Entschuldigt, falls das alles etwas durcheinander ist - ich bin gerade erst zurückgekommen, und wie gesgt: meine Kopfschmerzen bringen mich in Verbindung mit einer beginnenden Erkältung wirklich ein wenig um. Das hier ist also mehr ein allgemeiner Infopost, damit ich nicht jedem einzeln nochmal alles erzählen muss.


Also damit, saluti e biaci,

Julie

Mittwoch, 18. September 2013

Dolce Vita - jetzt auch in Ihrer Schule erhältlich!

Und damit herzlich Willkommen zu einem neuen Post hier. Der sollte eigentlich schon etwas früher erscheinen, aber ich bin immer unglaublich kaputt nach Hause gekommen und war um halb 10 schon selig am schlafen. Es erschöpft mehr als gedacht, den ganzen Tag eine fremde Sprache zu hören, und Aspirin ist zusammen mit meinem Reisewörterbuch mein bester Freund geworden.
Nun aber zum eigentlichen Thema: seit Montag, den 16.9. bin ich in der Schule. Und in diesen wenigen Tagen ist mir so viel eingefallen, was ich mit euch teilen will – aber eines nach dem Anderen.
Erstmal etwas über das Schulsystem der weiterführenden Schulen hier in Italien, da das um einiges anders ist als Zuhause. Auf die sogenannten 'Licei' kommt man mit 14, also, wenn in Deutschland die 8. Klasse anfängt. Davor kommt die Grundschule und eine Art Middle School. Die Licei haben sich in verschiedene Teilgebiete aufgespalten, die genauer behandelt werden: beispielsweise Musik, Kunst oder Sprachen. Die normalen Fächer wie Mathe hat man natürlich auch, aber die Schule ist vom Material, dem Lehrplan und den Lehrern eben spezialisiert und je nachdem hat man bei entsprechenden Unis auch bessere Chancen.
Ich bin (ein wenig zu meinem Pech) auf einem Liceo Scientifico gelandet, hier wird also besonders Wert auf Naturwissenschaften gelegt – und die, die mich kennen, wissen, dass ich davon wirklich keine Ahnung habe.
Der erste Schultag war erstmal mit viel Hektik und Aufregung verbunden. Hier nimmt man es mit dem Papierkram nicht so streng, deswegen dauert alles seine Zeit und ab und zu verschwinden eben auch Dokumente, aber jetzt bin ich hier offiziell ein Jahr Schülerin. Meine Klasse 2 entspräche in Deutschland der 10.
Fächer habe ich absolut keine besonderen – alles wie in Deutschland – aber trotzdem ist alles sehr anders hier. Lehrer werden nicht mit Namen, sondern alle nur mit 'Prof' angesprochen. Hier wird sich nicht gemeldet, sondern es wird eine Frage gestellt, die dann von 20 Leuten auf einmal beantwortet wird. Aber vor allem wird hier Frontalunterricht gemacht. Meine erste Geschichtsstunde bestand daraus, dass die Lehrerin stur 60 Minuten am Stück aus dem Buch vorgelesen hat, das war's.
Ich verstehe zwar mit meinem dürftigen Italienisch zwar nur das Gröbste vom Unterricht, aber das ist absolut nicht schlimm – mit dem Stoff ist meine italienische Schule nämlich weit hinter dem meiner deutschen. Die durchschnittlichen Englischkenntnisse der Schüler entsprechen hier einem Grundschüler, und die Lehrer sprechen zum größten Teil kein Wort einer Fremdsprache.
Alles in allem ist das Ganze sehr entspannt: zwar ist der Bus morgens so voll, dass sich nicht mal die Türen mehr öffnen lassen, aber ich habe an 3 Tagen der Woche von 8-13 Uhr Unterricht und an den restlichen Tagen bis 14 Uhr – also viel, viel weniger als schon in der 9. Klasse in Deutschland.
So viel zur Theorie. Aber das ganze Vorwissen bringt einem nichts, wenn man in eine Klasse hineingeschoben, kurz vorgestellt und dann alleine gelassen wird. 25 Fremde, die einen anstarren, und nach kurzer Zeit rasend schnell erst miteinander und dann mit mir Italienisch reden. (Das ist etwas, was mich sehr nervt – selbst, wenn man mit dabei ist, weiß man so gut wie nie, ob von einem gesprochen wird, geschweige denn, wie und was.)
Meine Sitznachbarin ist so etwas wie meine Dolmetscherin geworden – ihr Englisch ist überdurchschnittlich gut, also ist sie so ziemlich die Einzige, mit und durch wen ich kommunizieren kann.
Aber das macht auch kaum etwas, denn alle sind unglaublich nett. Ich habe keine Ahnung, ob es daran liegt, dass ich wohl jetzt die einzige echte Blondine der Schule bin, oder ob die Italiener generell so sind, das ist mir aber relativ egal. Alle nehmen mich gut auf und für's Wochenende habe ich quasi 6 Verabredungen gleichzeitig. Ich glaube, mittlerweile sind es um die 15 Leute, die mitkommen und mir Turin zeigen wollen.

Um mich nochmal kurz zusammenzufassen – ich fühle mich extrem wohl, und ich weiß jetzt schon, dass ich hier jeden sehr vermissen werde, wen ich wieder in Deutschland bin.
Mein nächster Post wird sich dann wahrscheinlich um den ersten Ausflug nach Turin drehen. Falls ich da wirklich nur zum shoppen komme, wird das halt ein kleiner Haul.
(Was auch immer am Ende dabei rauskommt, ihr dürft euch freuen.)

Bis dahin – saluti e biaci

Julie

Dienstag, 10. September 2013

Arrivo.

Es fühlt sich immer noch ein wenig komisch an, dass ich Deutschland wirklich für die nächsten 10 Monate verlassen habe. Meine ersten Tage in Italien lassen sich in 3 Worten zusammenfassen – laut, chaotisch, ereignisreich.
Aber davor noch ein kleines Zwischenwort zum Kofferpacken – ich hatte viel weniger Probleme, als erwartet, das Gewichtslimit einzuhalten. Kleiner Tipp für alle: rollt eure Kleidung, anstatt sie zu falten. Danach müsst ihr zwar alles einmal bügeln, es spart aber unglaublich viel Platz. Schwerer als das Packen war eher, die insgesamt fast 30 Kilo mit mir durch die Gegend zu schleppen. Den Muskelkater in den Armen bin ich bis heute nicht losgeworden.

Up in the air!


Italien ist ein wunderschönes Land. Obwohl ich die Sprache noch kaum beherrsche und meine kleine Gastschwester Anna quasi alles für mich dolmetschen muss, fühle ich mich hier schon ziemlich wohl. Die Italiener..nun, über die könnte ich jetzt schon einen eigenen Blogeintrag schreiben. Über das Essen sowieso. Werde ich wahrscheinlich auch, deswegen sage ich an dieser Stelle mal nichts dazu.

500 Leute - 47 Länder.

Ich bin gut in Rom angekommen, nach nur anderthalb Stunden Flug. Von der Stadt haben wir leider wirklich nichts gesehen, da wir sofort weiter in unser Hotel gebracht wurden. Die 2 Tage, die wir da verbracht haben, waren schon wirklich großartig. AFS (oder Intercultura, wie die Organisation hier heißt) hat alles belegt.
500 Schüler aus 47 verschiedenen Ländern.
Und ich habe mit Leuten aus jedem dieser Länder mindestens einmal geredet.
So eine Chance bekommt man wirklich nicht oft, und ich habe sie genutzt – etwas, das ich ganz sicher nicht vergessen werde. Man fühlt sich so sehr als Teil eines großen Ganzen, so viele Leute, die deine Sorgen teilen und viel besser wissen, was gerade in dir vorgeht, als alle anderen.
In der kurzen Zeit wurden wir noch einmal Crashkursartig darauf vorbereitet, was uns jetzt die nächsten Monate erwartet. Für mich war aber kaum etwas neues dabei; offenbar waren die Orientation-Camps in Deutschland schon gründlich genug.

Eines der wenigen Bilder aus Rom.

Sonntagabend sind wir dann, nach 7 Stunden Zugfahrt in einem Abteil mit zwei typisch-italienischen Mammas, die sich offenbar sehr viel zu erzählen hatten, in Turin am Bahnhof angekommen. Der Empfang war einfach..wow. Ich hätte nicht erwartet, dass es so viele Menschen sind. Ich kann nicht wirklich beschreiben, wie es sich anfühlt, wenn man auf eine laut jubelnde Menge zuläuft und weiß, dass dort irgendwo auch die Familie ist, die für das nächste Jahr die eigene Familie sein wird. Die hat mich zum Glück schnell gefunden – und ich habe wirklich Glück mit ihnen gehabt. Alle 3 sind unglaublich nett und die Sprachprobleme stehen eigentlich mehr im Hintergrund, da alle sich immer bemühen, sich irgendwie verständlich zu machen und meine aus Englisch, Italienisch und Französisch zusammengebastelten Sätze zu verstehen.
Platziert bin ich in einer kleinen Stadt etwa 10 Minuten von Turin.
Entgegen meiner ersten Erwartungen merkt man wirklich überall, dass man nicht mehr in Deutschland ist. Alles ist hier viel farbenfroher: wo bei uns graue Plattenbauen stehen, sind hier kleine Mäuerchen und Gässchen scheinbar ohne Logik wild verteilt. Braun- und Gelbtöne sind hier sehr verbreitet und lassen in Verbindung mit der Sonne alles warm und freundlich wirken.
Ach ja. Und wir haben hier jeden Tag etwa 30°C. Seid neidisch. (Oder auch nicht, wenn ihr die Kälte bevorzugt.)

Die Aussicht von meinem Zimmer aus.
Im Hintergrund sieht man hier übrigens normalerweise immer die Alpen.

Das wars dann von mir auch fürs erste schon wieder – in die Schule gehe ich erst ab nächstem Montag, also um die Zeit herum wird dann auch wieder ein Post kommen. Vorher passiert, soweit ich weiß, nichts Weltbewegendes; aber wenn doch, lasse ich es euch natürlich wissen.

Saluti e biaci,

Julie